Bürgerinitiative Zwangsbejagung ade

Tierfreundlicher Grundeigentümer

Erfahrungen eines erklärten Jagdgegners und Grundeigentümers mit Jägern, Jagdgenossenschaft, Jagdbehörde und Gerichten

Ich besitze seit den 90er Jahren auf einem Höhenrücken am Rande eines kleinen Dorfes im Ostharz (Kreis Quedlinburg/Sachsen-Anhalt) zwei längliche schmale Flurstücke. Sie wurden früher als Acker, dann als Weide genutzt, sind zusammen etwas über ½ Hektar groß und bilden eine so genannte „wirtschaftliche Einheit“. Ich hatte sie ursprünglich zum Bebauen gekauft, daraus wurde wegen fehlgeschlagener Planung der Gemeinde nichts. Deshalb hatte ich mich entschlossen, sie als Naturliebhaber nach meinen Vorstellungen als ein privates Biotop zu gestalten. Da die Landschaft dort auf weite Strecken völlig „ausgeräumt“ ist, kein Gebüsch und sonstiges Gehölz wächst, entschloss ich mich zum Anlegen von Benjes-Hecken. Ein „Schandfleck“ für den Ort, war dazu die Meinung des örtlichen Vorsitzenden der Jagdgenossenschaft, das würde nach „faulendem“ Holz „stinken“, Füchse würden dadurch angelockt und sich über die Hühner im Dorf hermachen.

Inzwischen aber ist das Biotop mit seiner Vielfalt an Wildblumen und -kräutern ein kleines Paradies für Schmetterlinge, Hummeln, Bienen und andere Insekten geworden. Fuchsbauten habe ich dort noch nicht feststellen können, allenfalls Versuche von Kaninchen, sich in dem sehr steinigen Gelände Röhren zu graben. Als Tierfreund habe ich absolut nichts dagegen – sondern alles dafür - dass sich auf meinem Biotop Hasen, Igel, Kaninchen, Rehe einfinden, auch gegen Wildschweine habe ich nichts, die dort nach Bekunden der Jäger nachts ab und zu mal nach Nahrung suchen. Aussage des Chefjägers dort: „Die schießen wir hier aber nicht, die kriegen wir woanders.“

Trotzdem sich die Jäger dort also noch nach alten DDR-Vorschriften richten (Jagdwaffenverbot innerhalb 200 Metern von Häusern), wollte die Jagdbehörde auf meinen Antrag im November 2002 mein für Natur und Tiere geschaffenes Biotop nicht aus dem Jagdbezirk entlassen. Originalton der Behörde: „...obwohl Ihnen einerseits versichert wurde, dass auf Ihren Grundstücken nicht gejagt wird und dass andererseits aufgrund der Lage unmittelbar am Ortsrand von Schielo normalerweise keine Jagdausübung stattfindet, steht Ihrem Antrag ...das hier überwiegende öffentliche Interesse an der Jagdausübung und der damit verbundenen Pflicht zur Hege entgegen.“ Das Argument des „öffentlichen Interesses“ ist hier sehr stumpf, denn das Verhalten der – derzeitigen - Jäger beweist das Gegenteil! Und der Hegepflicht, soweit diese im wahrsten Sinne des Wortes und nicht völlig verdreht im Jägersinne als „Hege mit der Büchse“ verstanden wird, komme ich als Landeigentümer mit der Flächennutzung als Heckenbiotop mehr als zur Genüge nach!

Weiter klärte mich die Behörde auf, dass ich „nur durch Verkauf der Grundstücke aus der gemäß Bundesjagdgesetz verordneten Zwangsmitgliedschaft (als ,Jagdgenosse') ausscheiden könne, nicht durch eine Austrittserklärung“. Ich frage mich, wie sehr die ansonsten in Deutschland gepriesene Eigentums- und Vereinigungsfreiheit hier mit Füßen getreten wird, und ob nun die Gesetze für die Menschen da sind oder etwa umgekehrt, wie die Praxis der Verwaltung hier zu zeigen scheint ?

Ich war ein einziges Mal auf einer Versammlung der Jagdgenossen, da ging es darum, wie der Feldanbau gehandhabt werden solle, damit die Jäger effektiver zu ihrem Schusserfolg kämen. Und zu so einer Vereinigung werde ich als erklärter Jagdgegner, der ich bei öffentlichen Versammlungen gegen den Unsinn der Jagd demonstriere, per Gesetz gezwungen mitzumachen, ein Unding !!! Der Trick in Deutschland ist, dass man Jagdgenossenschaften per Gesetz zu „Körperschaften des öffentlichen Rechts“ erklärt, dann muss jeder Grundeigentümer mit kleineren Ländereien, die zum Jagdbezirk gehören, mitmachen – ob er will oder nicht. Meine Auffassung: Durch Gottes Kraft gedeiht in der Natur alles, Gott lässt Mais, Weizen, Raps usw. wachsen, Seine Geschöpfe haben ein Recht auf ihren Anteil und dafür war auch der biblische „Zehnt Gottes“ gedacht. Ich habe der Versammlung der Jagdgenossen deutlich bekundet, dass ich Vegetarier, Tierfreund und wider Willen „Jagdgenosse“ bin, mit den Zielen und mit dem „Ertrag“ der Jagdgenossenschaft nichts zu tun haben will, letzteres ist für mich Blutgeld umgebrachter Tiere.

Das Verfahren ging Anfang Juli 2003 vor das Verwaltungsgericht. Dort ließ man die Sache trotz meiner nachdrücklichen Erinnerungen (ich strengte sogar eine Untätigkeitsbeschwerde und ein Eilverfahren an) erstmal weit über zwei Jahre liegen, bis es zur Verhandlung im November 2005 kam. Dr. Schneider war als mein Gutachter mit dabei zur fachkundigen Bestätigung, dass meine Flächen keine sachliche Bedeutung für den Jagdbetrieb (Abschussplanerfüllung) haben. Der Richter bekundete zwar Sympathie für mein Anliegen, „schmetterte“ meine Klage dann aber doch ab mit dem schriftlichen Urteil, das wiederum fast fünf Monate auf sich warten ließ. Die Entscheidung über den Antrag auf Zulassung der Berufung steht nun auch schon fast ein Jahr aus.

In meinem Falle ist es seltsamerweise so, dass es nicht die Jäger sind, die ehemaligen DDR-Jäger jedenfalls, die mir als Tierfreund und Jagdgegner die Schwierigkeiten machen. Es ist zum einen ganz offensichtlich die Jagdgenossenschaft, zum anderen die unflexible Handhabung der bundes-deutschen Jagdvorschriften durch Verwaltung und Gerichte getreu dem Motto des DJV (Deutscher Jagdschutz-Verband), sich jedes noch so unbedeutende Fleckchen Erde für die Jagdlust seiner Mitglieder zu sichern und mit „Zähnen und Klauen“ zu verteidigen.

Ich aber bin bereit, mit der Sache bis zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) vorzudringen, und sollten mir die Gerichte noch so viel Steine in den Weg legen, meinen Rechtsweg in Deutschland zu Ende zu gehen. Bedingung für das Vorgehen zum EGMR ist die Ausschöpfung des Rechtsweges in Deutschland. Für die Beschwerde über die unzumutbare Zeitspanne vor der Verwaltungsgerichtsbarkeit hatte ich diese Voraussetzung bereits erfüllt, die Eingabe ist in Straßburg unter dem Az.: 31068/05 registriert.

Ich erkläre interessierten Spaziergängern meine Benjeshecken-Maßnahmen durch eine Hinweistafel am Rande meines privaten Biotops und mache auch darauf aufmerksam, dass die Jagd auf meinen Flächen als Störfaktor unerwünscht ist. Damit verhalte ich mich gesetzlich korrekt, denn das Ruhen der Jagd ist ja (noch) nicht amtlich bestätigt, ich darf die Jagd als Eigentümer also nicht „verbieten“. Dreimal musste ich das Schild jedoch in den vergangenen Jahren aufstellen, das letzte Mal in diesem Frühjahr, es wurde mir zweimal von unbekannt abgerissen und zerbrochen, ich kann nur raten, wer dafür verantwortlich ist.

Remlingen, den 11. April 2007, Ludwig Weyhe

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